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Geschichte des Vereins - Museumsfreunde Linn

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Hier können Sie die Geschichte unseres Vereins nachvollziehen, anhand der Rede, die Frau Jeaninne Moens anlässlich unseres 50-jährigen Jubiläum gehalten hat.



Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Meyer,
 
Sehr geehrte Frau Dr. Leiska,
 
Liebe Freunde der Museen Burg Linn,
 
 
Als vor fünfzig Jahre, der Verein „Freunde der Museen Burg Linn“ gegründet wurde, wusste ich über Linn, dass es eine kleine Gemeinde ist mit einer mittelalterlichen Burg und mit einem Museum in einem Weltkriegsbunker.
 
 
Jeden Morgen fuhr ich über die Hafenstraße zu meiner Arbeitsstelle. Rechts von mir lag die Burg – ein wenig versteckt hinter den Bäumen. Links wartete ein elegant gekleideter Herr auf die Straßenbahn.
 
 
Dass ich hier heute aus der Vereinsgeschichte erzählen darf, empfinde ich als eine Ehre. Dafür sage ich  dem Vereinsvorstand  ein herzliches Dankeschön.
 
 
2013 trat ich in den Verein ein. Mein Wissen über die Vereinsgeschichte fand ich in Archiven, Zeitungen, in privaten Sammlungen, und ich suchte das Gespräch mit Menschen, die sehr vieles darüber wissen konnten, weil sie „ schon immer im Verein waren.“
 
So entdeckte ich die heitere Erzählung über die Vereinsgründung.
 
 
Man schrieb das Jahr 1975, Winter.
 
Frau Dr. Pirling, Museumsleiterin der Museen Burg Linn, fasste den Gedanken, einen neuen Burgführer drucken zu lassen. Ein schmales Heftchen sollte es werden, dass die Burgbesucher*innen an die Hand gegeben werden konnte. Sie bat die Stadt Krefeld um Unterstützung, weil sie die Druckkosten nicht aus ihrem eigenen Museumsetat begleichen konnte. Die Stadt lehnte ab.
 
 
In der Folge dieser Entscheidung des Kulturausschusses im Stadtrat der Stadt Krefeld, nahm Ratsfrau Dr. Van Hüllen Kontakt auf mit Frau Dr. Pirling . Sie schlug ihr vor, einen Förderverein zu gründen.
 
Frau Dr. Pirling informierte sich bei anderen Museen, die einen Förderverein hatten. Die Damen trafen sich am 06. Februar 1976 zum Gedankenaustausch. Sie waren sich einig, dass so bald als möglich ein Förderverein gegründet werden sollte und tranken eine Flasche Sekt, die Frau Dr. Pirling auf einer Fensterbank ihrer Wohnung in der Zehntscheune gekühlt hatte.
 
 
Schon zwei Tage danach, am 08. Februar trafen sich mehrere Damen und Herren bei Frau Dr. Pirling. Sie gründeten kurzentschlossen den Verein „Freunde der Museen Burg Linn“, und tauften den neuen Verein mit zwei Flaschen Sekt.
 
 
Dem Vorstand gehörten an:  Frau Dr. Van Hüllen, Vorsitzende, Herr Raitz von Frentz, Frau Völkel, Herr Röhm, Herr Dr. Vieweg.
 
Zweck des Vereins war: Die Unterstützung des Museums Burg Linn und der Grabungstätigkeit
 
 
Der Vorstand traf sich regelmäßig zu Arbeitssitzungen. Eine Satzung, ein Jahresprogramm, die Anerkennung der Gemeinnützigkeit, der Eintrag ins Vereinsregister, die Mitgliederwerbung, die erste Jahresmitgliederversammlung. Das waren die Aufgaben, die es zu erledigen gab.
 
 
Bereits am 8. Mai - drei Monate nach der Gründung -erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister.
 
Und am 30. Mai begrüßte die Mitgliederversammlung das 100. Mitglied. Es war Herr Hess, der Bezirksvorsteher für Oppum und Linn.
 
 
Gegen Ende des Jahres hatte der Verein knapp 200 Mitglieder. Sie zahlten einen Jahresbeitrag von 10 DM pro Person. Davon ließ sich nicht sehr viel bezahlen, was die Museen voranbrachte. Die Kosten der Gründung – Notar, Anwalt, Amtsgericht, verschlangen einen beträchtlichen Teil der Einnahmen.
 
Trotz der knappen Mittel beschlossen die mutigen Vereinsgründerinnen und Gründer in 1977 den Vereinszweck zu erweitern und die Förderung des Textilmuseums – das sich noch im Bau befand – in die Satzung aufzunehmen. Das Geld, das man brauchte, würde sich schon auftreiben lassen.
 
 
Mit diesem Gedanken organisierte der Verein  ein Familienfest auf der Burg, Kulturveranstaltungen im Rittersaal, eine Vortragsreihe, Ausflüge. Bei diesen Veranstaltungen hoffte man auf neue Mitglieder und auf einen Überschuss für die Vereinskasse.
 
An der Museumskasse (der Begriff Museumsshop war noch nicht üblich) verkaufte man Repliken von Museumsobjekten (Öllämpchen, Matronenfiguren) und extra für diesen Zweck gedruckte Grußkarten mit dem Bild eines Objekts aus dem Textilmuseum.
 
Die Jahresmitgliederversammlung in 1977 zeigte, dass es dem Verein sehr gut ging! 206 Mitglieder, Einnahmen von 15.452,13 DM standen Ausgaben von 11.993,46 DM gegenüber.
 
 
Als Frau Dr. Van Hüllen 1978 ihr Amt niederlegte, wählte die Mitgliederversammlung Frau Brüggemann als Nachfolgerin. Sie leitete den Verein bis 2006. Für ihr jahrelanges Engagement im Kulturbereich bekam sie 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande und auch das Stadtsiegel der Stadt Krefeld.
 
 
1981 eröffnete das Textilmuseum in Linn.  Grund genug für den Verein einen „goldenen Baustein“ für die Einrichtung eines Fotolabors anzubieten.
 
Nun brauchte auch das archäologische Museum Unterstützung für die Grabungen in Gellep. Also suchte man nach einer zusätzlichen Einnahmequelle. Ein Förderverein braucht immer mehr Geld als das, was in der Kasse ist.
 
 
Frau Dr. Pirling regte an, dass Vereinsmitglieder Führungen durch die Burg und die archäologischen Sammlungen machen könnten.
 
Einundzwanzig Vereinsmitglieder meldeten sich an.
 
Schon nach wenigen Wochen konnte man erste Führungen anbieten. Zwölf Personen sahen sich in der Lage – und waren mutig genug – ihr Wissen weiterzugeben. Außerdem standen 5 Personen zur Verfügung für die Vorführung der mechanischen Musikinstrumente im Jagdschloss.
 
 
Die Einnahmen aus Führungen sind seitdem eine wichtige Quelle für die Finanzierung der Zuwendungen an die Museen, weil fast das ganze Honorar für die Führungen dem Verein gespendet wird, der damit seine Unterstützung für die Museen bezahlt.
 
Zehn Jahre später, in 1991 hatten 12 Personen 3180 Führungen gemacht (das sind etwa 318 pro Jahr) und damit 72000 Besucher durch die Museen begleitet.
 
In 2006 waren es 240 Führungen und in den letzten Jahren vor Corona bis zu 400 Führungen im Jahr Die Coronapandemie bewirkte einen heftigen Rückgang, von dem man sich bis heute nicht erholt hat.
 
 
Die Museumsführer und Führerinnen sind eine dynamische Gemeinschaft von etwa 30 bestens informierten Menschen, die ihr Fachwissen in mehreren westeuropäischen Sprachen – und in einer asiatischen Sprache an Gruppen aus dem In- und Ausland weitergeben. Weiterbildung übernehmen die Fachleute aus den Museen.
 
 
Neue Museumsführer und Führerinnen werden von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen in Schlepptau genommen. So traf ich den Herrn wieder, den ich schon viele Jahre jeden Morgen an der Straßenbahnhaltestelle gesehen hatte.  Er war ein guter Mentor und versorgte mich mit allem Wissen und Material, das ich für den Anfang brauchte. Und Ich hospitierte bei mehreren seiner Führungen.
 
 
Der Verein feierte 1986 sein Zehnjähriges und begrüßte das 500. Mitglied.
 
Inzwischen gingen in Gellep tagsüber die Ausgrabungen weiter. Und in der Dunkelheit machten die Grabräuber ihre Runde. Frau Dr. Pirling wünschte sich Metalldetektoren, damit ihre Archäologen genauso gut ausgestattet waren wie die Grabräuber und auch die gleiche Chance hätten!
 
 
Als das 5000. Grab freigelegt wurde, bewachten Vereinsmitglieder die freigelegten Funde über das Wochenende hinweg. Auch in den Nächten. Ein paar mutige Herren übernachteten in einem Zelt, das sie direkt oberhalb des gerade entdeckten Grabs errichtet hatten. Ohne diese Aufpasser wäre das Grab gewiss am nächsten Morgen leergeraubt gewesen. Bei sommerlichem Wetter war diese Tätigkeit eher fröhlich als anstrengend.
 
 
Die Arbeit des Vereins blieb nicht verborgen. Die Presse bezeichnete den Verein als „Echte Freunde“ und lobte diesen rührigen „Linner Fanclub“.
 
1988 ehrte die Stadt Krefeld den Verein mit dem Preis für „Bürgerschaftliche Selbsthilfe“
 
 
Die Stadt Krefeld war nicht auf Rosen gebettet. Einsparungen im Kulturetat wurden notwendig.
 
1999 teilte man den Museen mit, dass Fachliteratur und Zeitschriften Abonnements für die Archäologen nicht mehr bezahlt werden konnten. Für die Betroffenen eine unangenehme Tatsache, für den Verein eine neue Aufgabe.
 
Der Museumsleiter, Herr Dr. Reichmann, wusste Rat. Ein Museum in einer Nachbarstadt organisierte öfter einen Bücherflohmarkt, der gute Ergebnisse brachte. Ob das in Linn auch möglich wäre? Herr Dr. Reichmann versuchte es! Ausgelesene Bücher nahm das Kassenpersonal während der Öffnungszeiten der Museen entgegen. Herr Dr. Reichmann sortierte nach Feierabend die Bücher. Die Bücherkartons stapelten sich in einem Raum des Museums. Der Verein stellte Personal für den Bücherverkauf! Das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Seitdem finden regelmäßig Bücherbasare statt, mit besten Ergebnissen!
 
 
Nachdem Frau Brüggemann 2006 nicht mehr für den Vorsitz kandidierte, wurde Heide Gerritzen gewählt. Sie war schon vorher im Vorstand des Vereins und wusste, wo man aktiv werden konnte. Sie mahnte die Reparatur von Schäden an Möbel und Gemälden im Jagdschloss und in der Burg an. Sie rief - mit großem Erfolg -die Krefelder dazu auf Patenschaften zu übernehmen, damit diese Ausstellungsobjekte restauriert werden konnten.
 
Ein weiteres Anliegen war ihr die Aufstellung eines touristischen Hinweisschildes an der A57. In 2003 stellte man den Antrag. Es dauerte 15 lange Jahre, bis das Schild endlich 2018 aufgestellt wurde. Frau Gerritsen suchte für ihre Vorhaben Unterstützung bei anderen Vereinen., z.B. Die Flachsmarkt AG, den Schützenverein, die Mühlenspechten. Sie war eine Kämpferin für Linn und für die Anliegen der Museen und scheute nicht die Konfrontation mit den Lokalpolitikern. Mit dem 40. Jahrestag der Vereinsgründung in 2016 legte sie ihr Amt nieder. In den 10 Jahren ihrer Tätigkeit als Vorsitzende schaffte sie es, eine sechsstellige Summe an Spenden zu generieren.
 
 
2016 wählte die Jahresmitgliederversammlung mich als Vorsitzende. Mein erstes Projekt war die Nachschmiedung der Spatha des Gelleper Fürsten. Ich schwankte zwischen Begeisterung und Sorge, ob das wirklich zu einem guten Ende kommen würde. Und da rief mich an einem Morgen die neue Institutsleiterin, Frau Dr. Morscheiser , an mit den Worten: „Das, was ich mitzuteilen habe, wird ihnen nicht gefallen! Der Bücherbasar wird nicht mehr stattfinden! „So sah die Wirklichkeit aus. Bei einer Begehung im Museum hatte man festgestellt, dass die gelagerten Bücher eine Brandlast seien und das sie aus dem Museum zu entfernen seien. Keine Bücher, Kein Bücherbasar!
 
 
Aus dem Kreis der Museumsführer kam die Idee, dass man die Bücher woanders sammeln könnte, der Verkauf war nicht verboten worden.
 
Wir luden den Kulturdezernenten der Stadt zum Gespräch ein und legten ihm die Ergebnisse der bisherigen Bücherbasare vor. Die hohe Summe der Einnahmen überzeugte ihn. Der Bücherbasar musste stattfinden. Allerdings ohne Hilfe durch die Museen. Frau Dr. Schieck schlug vor, die Bücher in der Woche vor dem Verkaufsdatum in der Museumsscheune zu sammeln und sie dort am Wochenende zu verkaufen. Das akzeptierte der Kulturdezernent. Er sah es sogar als Garantie für eine geordnete und erfolgreiche Durchführung.
 
 
Wir mobilisierten alle Kräfte für die Einrichtung und Organisation eines
 
riesigen Pop-up Bücherstore, der zweimal für sechs Stunden öffnet und dann innerhalb von zwei Stunden wieder verschwindet! Wir schafften es! Viele „rüstige Rentner“ halfen uns bei dieser Mammutaufgabe, die auch physisch eine Herausforderung war. Der erste Bücherbasar „im neuen Format“ fand im September 2017 statt.  Der Erfolg war überwältigend. Heute ist der Bücherbasar – neben Mitgliedsbeiträge und Einnahmen aus Führungen - zur dritten Säule der Vereinsfinanzierung geworden.
 
 
Das neue Jahrtausend war noch jung als 2020. Covid 19 alles lahm legte. Keine Führungen in den Museen, keine Kundschaft in den Shops, keine Vorträge, keine Bücherbasare. Nicht mal die Jahresmitgliederversammlung durften wir durchführen. Der Verein hatte keine Einnahmen, musste die laufenden Kosten weiterhin tragen. Größere Projekte versuchten wir auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
 
 
Als 2022 Corona beherrschbar geworden war, wagten wir im Juni einen vorsichtigen erster Bücherbasar. Im September boten wir einen Vortrag an. Es fand mit viel Verspätung auch die Jahresmitgliederversammlung für zwei Jahre statt. Das Amt für öffentliche Ordnung und das Amtsgericht waren meine „ständige Begleiter“ und die Damen und Herren fanden immer ein wenig Zeit, um mich zu beraten und mir sicher über die Hürden zu helfen.
 
 
Irgendwann erklärte man die Pandemie für beendet. Man konnte wieder frei atmen und der Verein nahm seine Tätigkeiten wieder auf.
 
 
Dieser Verein ist eine Erfolgsgeschichte!
 
Das konnte nur deswegen so gut werden, weil Dutzende Mitglieder mit Begeisterung ihre ganze Energie, ihre Zeit, ihr Wissen und Können für den Verein einsetzen! Ohne Vergütung. Ehrenamtlich.
 
Sie arbeiten am Getränkestand bei Veranstaltungen, stehen bei Sonne und Regen in einem Zelt bei Kulturaktionen im öffentlichen Raum, und bei Veranstaltungen auf dem Museumsgelände. Sie begleiten Besuchergruppen durch die Ausstellungen. Sie übernehmen Aufgaben im Museum und bei Vereinsveranstaltungen. Sie arbeiten für den Bücherbasar und den Weihnachtsbasar. Sie führen unsere Buchhaltung und sind im Vorstand in der Verantwortung für die Beschlüsse des Vereins. Große Spendensummen gehen uns jährlich zu vom Linner Nachtwächter, Herrn Beurskens. Er vermarktet seine kreative Idee mit großem Erfolg. Mit seinen Einnahmen trägt er wesentlich zur Restaurierung der mechanischen Musikinstrumente bei.
 
 
50 Jahre hat der Verein den Museen Mittel zur Verfügung gestellt, die auf anderem Weg schwierig zu beschaffen gewesen wären. Ohne diese Förderung wären die Museen ärmer gewesen. Uns hat es Freude gemacht und wir wollen auf diesem Weg weiter gehen.
 
 
Wir haben heute die Gelegenheit einmal von ganzem Herzen allen, die uns helfen und unterstützen „Danke“ zu sagen, Danke für Ihre Zuwendungen, Danke für Ihre Hilfe, Danke für Ihre Treue.
 
Vereine und Institutionen sind an unserer Seite, wenn große und schwere Projekte zu verwirklichen sind. In Linn stellt die Flachsmarkt AG regelmäßig große Summen für Projekte in den Museen bereit. In Krefeld steuern die Sparkasse, die Sparkassenkulturstiftung und die Stadt Krefeld große Summen bei. Wir erfahren Unterstützung von den Landschaftsverbänden und von weiteren Institutionen. Viele große und kleine Spenden erreichen uns aus privater Hand, von Unternehmen und von den Vereinen in Linn.
 
 
Was machen wir mit dem vielen Geld? Wir geben es aus, wir bezahlen erforderliche und wünschenswerte Projekte der Museen in Linn. Dazu zählt die Miete für eine Datenleitung genauso wie die Restaurierung von Ausstellungsobjekten und die Anschaffung von Stücken, die die Sammlungen ergänzen.
 
 
Die Freunde der Museen in Linn sind Förderer der Kultur in unserer Stadt. Diese Aufgabe geht nie zu Ende. Wenn perfekt ausgestattete Lagerflächen vor Ort zur Verfügung stehen, wenn die Restaurierungswerkstätten in einem ausreichend großen Gebäude eingezogen sind, wenn jeder sein eigenes Büro hat, wenn alle Wünsche erfüllt sein werden, auch dann geht diese Aufgabe weiter.  
 
Die Freunde der Museen in Linn sehen mit Zuversicht in die Zukunft und vertrauen darauf, dass genügend Möglichkeiten und Mittel verfügbar sein werden, um die Museen in Linn kreativ und großzügig zu unterstützen.
 
 
© Jeannine Moens
 
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